Sonntag, 7. Februar 2016

Afternoon Tea #3

Hey, Leserherzis.

Es wird wieder mal Zeit für eine Tea Time. und heute plage ich mich etwas. Seit längeren plane ich diesen Beitrag zu schreiben und ich habe ihn mehrmals verworfen. Zu persönlich. Zu viel Angriffsfläche. Zu viele Details. Zu viel Schwäche. Und so weiter. Aber ganz ehrlich: who cares?

Mir fällt nicht mal ein anständiger Titel ein, also lasst euch mal gesagt sein es geht um Psychotherapie und alles was damit zu tun hat. Wer also so etwas nicht lesen will, darf hier nun auf das X klicken.

 Alle anderen dürfen sich einen Tee machen.
Heute gibts: Pukka - Zimt & Süßholz, ungesüßt. Ich liiiiiebe diesen Tee

Ich glaube mit 11 ging ich zum ersten Mal zu einer Psychologin, die allerdings ziemlich ungeschickt war um es nett zu sagen. ich verlor relativ schnell das Vertrauen zu ihr und verneinte jeden weiteren Vorschlag meiner Mutter. Eigentlich wusste ich ziemlich genau, dass einiges schief lief bei mir. Ohne jetzt zu sehr darauf einzugehen, kann ich sagen: ja, meine Kindheit war teilweise richtig mies und ich musste viel zu schnell mich mit Dingen beschäftigen, mit denen sich ein Kind nie und nimmer auseinandersetzen sollte. Als mich meine Mutter damals zur Psychologin schickte, dachte ich ernsthaft, dass ich niemals 20 werden würde und ich es auch nicht wollte. Diese Jahre sind für mich im Nachhinein betrachtet ziemlich die schlimmsten gewesen, aber wie gesagt: ich merkte eindeutig, dass es nicht passt. Das war und ist nicht normal.

Ich hatte in den letzten Jahren seitdem öfters mal komplette Zusammenbrüche, die ich allerdings relativ schnell in den Griff bekam, vor allem mit der Unterstützung meiner Freunde & meiner Mum. Bis letzten September dachte ich eigentlich es würde alles normal werden/bleiben. Dann bekam ich mitten in der Nacht einen Anruf. Im September bekam ich um 2 Uhr Früh einen Anruf. Raubüberfall. Bruder bewusst auf der Straße gefunden mit Platzwunde am Kopf. In diesen Moment bekam ich einen Heulanfall. Ich dachte nach und dann fiel mir auf, dass ich komplett alleine für meinen Bruder verantwortlich war. Mein anderer Bruder war nicht da und meine Mutter auf Urlaub, ich bekam es trotzdem auf die Reihe, auch wenn es mich mehrere Tage meinen Schlaf kostete. Ich weiß nicht, warum dieses Ereignis so extrem ausschlaggebend war, denn um ehrlich zu sein: es gab schon schlimmeres, so gemein es klingt. Am Montag war es dann so ausgeartet, dass ich auf die Toilette in der Schule lief und einfach zu weinen & zittern begann. So ging es nicht und das wurde mir nun schmerzlich bewusst. Ich fragte nach einer Psychotherapie und die Beratungsstelle meiner Schule (irrsinnig großes Lob an Sie, falls sie das mal lesen sollten) tat wirklich alles um eine für mich zu finden.

Für mich war es schon ein wahnsinnig großer Schritt mir alleine einzugestehen: Ja, ich brauche Hilfe. 

Trotz der Therapie wurde meine allgemeine Psyche schlechter. Extreme Stimmungsschwankungen, ohne einen Auslöser, waren an der Tagesordnung und die machten mich wirklich fertig. Ich wurde sauer ohne einen direkten Grund, war richtig zickig und gleichzeitig ging in meinen Kopf ein "Du bist so scheiße. Du gehst deinen Freund wegen nichts an!" herum. Das war ein regelrechter Kreislauf. Ich werde zickig - ich mach mich selbst fertig - ich werde dadurch traurig und wollte trotzdem nicht drüber reden, weil es ja keinen Grund gab. Es klingt im Nachhinein betrachtet so leicht, aber es gab einfach kein herausbrechen für mich. Mein Schlaf wurde weniger und ich bekam draußen öfters leichte Panikattacken. Ich glaube es war Anfang Dezember als ich meinen Freund fragte, wie wir Nyx zum Tierarzt bringen und er mit "ich weiß es nicht" antwortete. Nicht mehr. Ich ging ins Schlafzimmer und war auf einmal wieder ganz unten. Ich begann zu weinen, einfach so. Eigentlich bin ich wirklich kein Freund von Anti-Depressiva gewesen, aber in den Moment fühlte ich mich so hilflos, dass ich zu meiner Ärztin ging. Zum ersten Mal in meinen Leben wurde ich offiziell mit Depression diagnostiziert und bekam Anti-Depressiva verschrieben. Ich hatte hier wirklich viel Glück, denn meine Ärztin nahm Rücksicht auf meine Einstellung und versprach mir, wenn möglich auf Minimaldosis zu bleiben. Nach zwei Wochen hatte sich mein Körper halbwegs eingependelt und langsam besserte sich einiges. Natürlich bekam ich noch einige andere Diagnosen meiner Psychotherapeutin, aber ich muss demnächst mal zum Psychiater um alles abzuklären, da ich auch nach meinen Einzelstunden weitere Betreuung brauchen werde (im Sinne von Gruppentherapie).

Vor kurzem habe ich meinen Freund gefragt, ob ihn auch aufgefallen werde, dass meine Stimmungsschwankungen weniger wurden. Wir stimmten überein. Ich werde wieder mehr ich als vorher. Es gab außerdem wieder einen Vorfall, der mich wieder zu Boden warf, aber mittlerweile kann ich um einiges besser damit umgehen. Die Therapie hilft mir um einiges besser als ich dachte.

Das war jetzt mal meine kurze sehr stark gekürzte Geschichte, aber das was ich euch mitgeben möchte ist: Es ist in Ordnung sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht, und wenn man sie aktiv sucht ist das mit Abstand einer der mutigsten Schritte, die man gehen kann. 

Wenn der Körper krank ist, bekommt man zB einen Gips bis es wieder verheilt ist, also warum sollte man wenn die Seele krank ist einfach nichts tun?

Es gibt viel zu viele Menschen, die psychische Krankheiten nicht ernst nehmen und/oder selbst an einer leiden, aber keine Hilfe aufsuchen. Wir leben im 21ten Jahrhundert, es gibt keinen Grund still vor sich hinzuleiden und vor allem sollte man sich nicht schämen, wenn ein Teil eines Ichs einfach krank ist.

So jetzt ist es raus. Endlich nieder geschrieben.




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